Deutschland JA, Polen NEIN - An polnische Politiker, Media, Bürger
Geschrieben von Brakoniecka Anna am 10-11-2009 00:00
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Berlin, Deutschland, 20 Jahre später.
Foto: faz.de


Als ein gewisses Produkt eines europäischen Programms fühlte ich mich schon immer als eine Europäerin.

Als ich die Feierlichkeiten zum 20. Jahrestag anschaute, freute ich mich (als Polin) wegen vielen polnischen und (als Europäerin) europäischen Akzenten. Ich bewunderte die Vorstellung Deutschlands für die ganze Welt. Ich lebe in diesem Land die Hälfte meines Lebens und manchmal fühle ich mich irgendwie „deutsch“, da ich mit Deutschland durch viele Erfahrungen, Menschen, Orte verbunden bin.

Und ich habe mich geschämt. Berlin leuchtete, Berlin strahlte, bebte mit dem Geist der Freiheit. Gleich dachte ich an den polnischen, heimischen 4. Juni 1989 und seine Jubiläumsfeierlichkeiten in diesem Jahr. Verglichen mit Feierlichkeiten in Berlin waren die polnischen Zeremonien eher ein abgelöschtes Lagerfeuer, nicht mal Glühen. Aber historisch gesehen war der 4. Juni 1989 nicht weniger wichtig als der Fall der Mauer. Und Polen können doch feiern und Spaß haben, was man z. B. während der Majowkas (Feierlichkeiten zum 1. und 3. Mai) sieht.

Meine Schlussfolgerung: Polen können und wollen nicht, sich zu präsentieren, sich um sich zu kümmern. Wir holen die Kastanien aus dem Feuer, dann fallen wir in den Sumpf der Streitigkeiten, des Lärms, Privatangelegenheiten.

Aufgrund des 4. Junis hat die Redaktion von Scholar Online vorgeschlagen, dies europaweit zu feiern. Wir wandten uns an Fernseh- und Radiostationen in Polen (u.a. TVN, Superstacja, RMF FM, Radio Zet, Polskie Radio) und Zeitungen und Zeitschriften(u.a. Polityka, Newsweek Polska, Rzeczpospolita, Gazeta Wyborcza, Super Express, Fakt) und es gab keine Reaktion. Keine. Nicht mal eine. Wir haben uns an alle aktiven polnischen Politiker gewandt. Jeder polnischer Abgeordneter hat von uns eine Mail mit Informationen bekommen. Und welche Reaktionen gab es? Kaum welche. Der Bundespräsident Köhler hat uns früher als der polnische Präsident Kaczynski die Ehrenworte für Polen zu diesem Anlass geschrieben. Nur diese zwei Politiker haben uns geantwortet.

Wir wandten uns mit der Bitte um die nicht materielle Unterstützung, die nichts kostet. Es ging um die Unterstützung der Idee. Vor 20 Jahren konnten wir uns vereinigen. Dieselben Menschen haben 20 Jahre später keinen Willen, Polen zu promoten. In den Zeiten von Affären schreiben uns Leute außerhalb Polens und Fragen über diese Affären und polnische Politiker stellen, und ich schäme mich manche zu beantworten. (Da ich mich für u.a. Chlebowski, Drzewiecki und sogar Agent Tomek schäme). Anstelle die positiven Beispiele in der Galerie der Europäer zu zeigen, zu der wir alle polnischen Europa und Landesabgeordneten, den polnischen Premierminister und den Präsidenten des Europaparlaments Prof. Jerzy Buzek eingeladen haben, und die polnische politische Bühne präsentiert sich entweder gar nicht oder im negativen Licht. Die Ausnahmen sind Prof. Władysław Bartoszewski und Wojciech Olejniczak. Wo ist der Rest? Es ging doch nur um eine Präsentation eigener Vision Europas und Polens. Eine Arbeite darüber schreiben Schüler der 6.-9. Klasse schaffen innerhalb eines Nachmittags. Wir wissen Bescheid, da sie uns ihre Arbeiten manchmal zusenden. Schüler betonen auch, dass sie dank unseres Projektes ihre Nachbarn besser kennenlernen.

Wenn jedoch die polnische politische Bühne und polnische Media kein Interesse an positiven Projekten, Ideen, motivierten Menschen haben, an Menschen, die sich für eine bessere Verständigung zwischen Europäer und bessere Vorstellung von Polen und polnischen Bürgern einsetzt, dann wundert mich nicht, dass der Westen uns weiterhin durch falsche Stereotypen anschaut. Oder sind diese Stereotypen gar nicht falsch? Vielleicht bin ich wirklich nur eine der Ausnahmen, die die Regel bestätigen?

In diesem Jahr konnten wir sehr oft uns von der besten Seite zeigen und mehr leuchten als Berlin heute. Die Dominosteine, die heute in Berlin u.a. durch Lech Wałęsa und Jerzy Buzek in Bewegung gesetzt worden sind, waren eine schöne Geste Deutschlands an Polen. Aber im Zentrum stand die Mauer. Die Berliner Mauer. Berliner Mauer, also deutsche Mauer. Die Wiedervereinigung Europas erfolgte also weder am 4. Juni 1989 in den Wahllokalen, noch im August 1989 mit der Menschenkette in den baltischen Staaten, nicht in Ungarn, aber in Deutschland. Die Mauer ist medienfreundlich und die Deutschen haben dies maximal genutzt. Ich bewundere sie dafür. Schöner konnte es nicht werden – nach 20 Jahren. Trotz des Wetters (es regnete) war die Stimmung perfekt. Und Polen hatte Juni, tolle Sonne und weitere verpasste Möglichkeiten gehabt. Als Ausnahme sehe ich die Feierlichkeiten zum Jubiläum des Kriegsausbruches im September, obwohl auch hier waren die Unstimmigkeiten zwischen polnischen Präsidenten und dem polnischen Regierungschef gab.

In diesem Augenblick schäme ich mich als Polin. Ich schäme mich, dass ich in meinem täglichen Kampf um Polen, das Bild Polens und wie wir (und somit ich selbst) im Westen gesehen werden, und ich fühle mich wie Don Kichot. Und die Windmühlen sind diesmal polnisch. Polen als Christus der Völker. Polen als die größten Büßeträger. Der polnische Präsident will die kommenden Jubiläen des Ausbruches des Warschauer Aufstandes und nicht die Jubiläumstage des 4. Junis 1989.

PS. Warum beschweren sich am Ende Polen bei allen, nur nicht an sich selbst? Sie wollen Anerkennung, kriegen diese nicht. Die Vorwürfe können wir an uns wenden, an Politiker, die wir gewählt haben, an die Medien, die wir verfolgen. Wir selsbt bestimmen die Wirklichkeit.



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