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Amalia Angellinni - "Ein Narr (in) der Liebe" #3 YOU WOULDN’T LIKE ME
:: Home: Amalia ANGELLINNI "Lovefool"



* VIELE JAHRE SPÄTER ... *

#3 YOU WOULDN’T LIKE ME



Der erste Tag in einer neuen Schule war nie der beste. Sie wusste das schon aus Erfahrung. Für sie war es nur wieder eine andere Schule. Es waren nur weiße Wände, einige Lehrer, einige Unterrichtsstunden, jede Menge junger Menschen, die sie nicht näher kennen zu lernen beabsichtigte und die sie nach einem Jahr traditionsgemäß verlassen würde, ohne „Auf Wiedersehen“ zu sagen. Generell waren Abschiede nicht ihre Stärke. Es war einfacher so zu tun, als würde sie nach den Sommerferien zurückkommen, dann hatte keiner damit Probleme. Sie ersparte sich viele Fragen und das war das wichtigste dabei. So oder so, wie sollte sie sich von Menschen verabschieden, die sie kaum kannten? Sie wusste fast alles über sie nach einem gemeinsamen Schuljahr und sie wussten kaum etwas über sie. Das war meistens ihr Ritual. Sie war keine von ihnen. Sie war nicht der Typ eines Mädchens, das liebende Eltern hatte, selbst gemachte Champignonsuppe von Mutter aß, mit dem Vater Diskussionen führte, mit dem Familienhund spielte und Plakate an den Wänden hatte, auf denen Menschen lächelten. Einige Menschen sind innerlich zerbrochen und nach außen unzerbrechlich. Außerdem war sie nicht in der Lage, Freundschaften zu knüpfen. Das war nicht ihre Sache.

Für ihre neuen Schulkameraden, diesmal in Warschau, war das nicht so klar und offensichtlich. Jeder in der Klasse wusste, dass eine Neue kommen sollte und jeder war neugierig, wie sie so war. Änderungen passierten hier nicht so oft wie anderswo. Die Leute redeten seit über einer Woche darüber, weil die Mutter von Marta, die Krankenschwester der Schule, dieses Geheimnis mit ihrer Tochter geteilt hatte. Neuigkeiten verbreiteten sich in einer kleinen Schule sehr schnell, das war nicht schwer. Die letzte Person, die diese Neuigkeit erfuhr, war Tomek, der es noch bevorzugte, lieber Fußball zu spielen als mit Mädchen zu tratschen. Jungen seines Alters, die sich bisher nur für Sport interessiert hatten, fingen an, sich in einem Konflikt mit einem anderen Bedürfnis zu befinden, nämlich sich ein Mädchen zu suchen, das ihr Mädchen war. Es war das Alter, in dem man über die erste Liebe, die ersten Küsse nachdachte und die jungen Damen begannen, ihre ersten Versuche mit Makeup und High-Heels zu machen. Natürlich musste man dabei schweigsam bleiben, da solche Geheimnisse zu Waffen werden konnten, wenn sie in die falschen Hände gelangten. In solcher Stimmung befand sich jetzt die 11. Klasse des polnischen Gymnasiums, das den Namen der Nobelpreisträgerin Szymborska trug, die im Bereich Literatur ausgezeichnet worden war. Es war eigentlich eine ruhige Klasse, aber noch war die Tutorin nicht anwesend. Inzwischen waren alle Geschichten aus den Sommerferien ausgetauscht und einen Tag nach dem Ferienende kannte man auch schon die Bilder von Christopher, der in Irland war, oder von Marta, die eine Woche in Paris verbracht hatte. Jeder wusste, dass Justyna zu Hause in Warschau geblieben war und auf ihre Geschwister aufpassen musste. Die einzige neue Sache, die noch in der Luft hing, war die neue Schülerin, deren Name so unauffällig war, dass man sich keine Mühe geben musste, sich daran zu erinnern. Kowalska ist in Polen ein Name wie in Deutschland Müller oder Schmidt und man musste sich freuen, wenn man nicht Ms Doe genannt wurde [Der Nachname Doe wird im englischsprachigen Raum für Unbekannte verwendet, die im Krankenhaus eingeliefert werden und deren Identität nicht feststellbar ist].

Auf der anderen Seite erwartete die Neue nicht, dass diese Stadt sie länger als geplant halten würde. Wenn sie auch nur den Schatten eines schlechten Gefühls hätte, würde sie hier nie wieder auftauchen.

Nur Wiola, die von ihren Freunden Viola genannt wurde, ein blondes Naturwunder und seit zwei Jahren Klassensprecherin, eins der schönsten Mädchen der Klasse und vielleicht auch der Hauptstadt mit ihren zwei Millionen Einwohnern, eine, die alle Tricks im Umgang mit Jungen kannte, schien nicht glücklich zu sein. Da sie Profi war, merkte ihr keiner an, dass sie heute nicht in Hochstimmung war. Sie saß zwischen den anderen und kaute auf ihrer Lippe herum. Gosia, eine eher schlechte Kandidatin für das Tragen von Kleidung in der Größe 36 oder um als Hauptdarstellerin im High School Musical aufzutreten, erzählte mehr Witze als jede andere Person im Raum. Alle lachten und dachten zurück an die Ferien. Diese schienen mittlerweile so weit entfernt zu sein wie die Erde vom Mond. Marta erzählte über ihre „Jagdergebnisse“ aus Montmartre, einem Stadtteil von Paris. Die Jungen redeten über Autos, Formel 1 und Fußball (über was sonst?) und ihren ersten Erfolgen in der Fahrschule. Christopher wollte das Auto seines Bruders ausleihen und heute Abend noch einparken üben.

In diesem Augenblick dachte Mia : Wieder eine Schule.

Die Lehrerin Polanska betrat den Raum und schaute sich langsam um. Nach einigen Sekunden wusste sie gleich, wer fehlte. Die Abwesende war die neue Schülerin. Deswegen hatte Frau Polanska nun die Ehre, ihre Schüler über das neue Mädchen zu informieren.

„Ihr Lieben, ich weiß, dass ihr bereits jetzt die Ferien vermisst, aber bitte konzentriert euch.“ fing sie an. Die Jugendlichen lächelten und einer der Jungen sagte, „Zur Zeremonie am Ende des Schuljahrs waren wir alle anwesend.“ „Ja, ich weiß, “ antwortete die Lehrerin „aber ich würde euch lieber öfter als nur einmal alle zusammen in der Schule sehen.“

Frau Polanska wollte die Neuigkeiten verbreiten, sie merkte jedoch, dass diese bereits die Runde gemacht hatten. Es fehlte diese besondere Nervosität im Raum. Sie fügte also schnell und eher nebenbei hinzu „Also von heute an gibt es einen Zuwachs in eurer Klasse. Wir haben ein neues Mädchen auf der Liste. Ihr Name ist Kowalska, ihr Vorname ist Emilia. Sie sollte heute erscheinen und ich hoffe, ihr werdet sie mögen.“

Viola zuckte ein wenig zusammen, als sie den Namen der neuen Schülerin hörte und als sie den Vornamen hörte noch mehr. Sie hatte die böse Vorahnung, dass die Person, die neu in Klasse kommen würde, die selbe sein könnte, die sie von früher kannte. Sie war alles andere als glücklich darüber. Andere zeigten ein wenig Begeisterung, da sie diese Neuigkeit eigentlich noch gar nicht wissen sollten. Zugleich waren sie wenig begeistert über die Neue. Sie kannten sich alle seit der Grundschule und vor drei Jahren begannen sie gemeinsam die Schulzeit an diesem Gymnasium. Sie kannten sich in- und auswendig. Ihre Schule war der kleinste Teil eines Schulkomplexes, der zwischen alten Eichen versteckt war. Außer dem Gymnasium gab es noch eine Grundschule, die viel größer war. Die Kinder störten sich jedoch nie, da jede Schule ihre eigenen Gebäude hatte.

Vorerst ließ sich Emilia Kowalska jedenfalls nicht sehen. Sie ging an einer Hauptstraße von Warschau entlang und bewunderte den Nowy Targ und andere Sehenswürdigkeiten. Das Warschauer Schloss war nicht so schön, wie sie es erwartet hatte. Sie bevorzugte Krakau mit seiner mittelalterlichen Atmosphäre und all den Künstlerseelen. Hier fehlte ihr jegliche Atmosphäre. Sie lief Schritt für Schritt und dachte über ihre neue Schule nach. Es wurde bereits zu ihrer Tradition, dass sie den ersten offiziellen Schultag in ihrer neuen Schule schwänzte. Mit all diesen Zeremonien und offiziellen Veranstaltungen wollte sie nichts zu tun haben. Sie hasste das. Es war der erste Tag nach den Ferien und sie wollte nicht zur Attraktion des Tages werden. Nach den Ferien gab es immer so viel zu besprechen , dass sie hoffte, im allgemeinen Austausch der Neuigkeiten unbeachtet zu bleiben. Jetzt wollte sie sich ein wenig von dem Umzug erholen. Sie war fast 17 und mit jedem Jahr wurde ihre Großmutter älter und hatte bald nicht mehr genug Kraft für weitere Umzugsaktionen. Diesmal meinte die Großmutter sogar, dass es das letzte Mal gewesen sei. Wenn Emilia studieren wollte, was in 2 Jahren der Fall sein könnte, hätte sie die freie Wahl, sich irgendwo anders anzusiedeln. Mittlerweile war die Großmutter völlig entnervt durch die Belastung, die sich Jahr für Jahr wiederholte. Daher gab es jetzt eine Bedingung: zwei Jahre in einer Stadt und dann konnte Emilia machen, was sie wollte.

Emilia beabsichtigte nicht, Beziehungen zu ihren Klassenkameraden aufzubauen. Sie wusste von Anfang an, dass sie diesen Ort bald verlassen würde und sie hatte in der Vergangenheit so viel verloren, dass sie nichts mehr verlieren wollte. Sie war nicht an Sachen interessiert, die wichtig für junge Damen ihres Alters waren: wie Make-up, Shopping und Partys. Sie wollte keine Beziehungen aufbauen, da sie überzeugt war, dass sie verdammt sei und zwar für die Ewigkeit. Sie wusste nicht warum, aber sie hatte ihre Geschichte und ihre Erinnerungen, die sie mit niemandem teilen wollte. Alle Trübsinnigkeit war wie weggeblasen. Die frische Luft und das Laufen durch die neue Stadt waren die beste Medizin. Sie wollte nicht über ihre Erfahrungen nachdenken und die Gedankenfetzen, die sie so sehr versuchte aus ihrem Gedächtnis zu löschen. Sie musste immer vorbereitet sein. Sie wusste nicht genau für was, aber sie war sich sicher, dass es eine Person auf der Welt gab, die sie nie wieder sehen wollte. Sie flüchtete vor ihrer Vergangenheit und diese Vergangenheit hatte es an sich, Emilia gerade in den Momenten wieder einzufangen, wenn sie das Gefühl hatte, es sei alles ruhig.

Emilia überlegte sich keine neuen Ausreden, da sie immer sagen konnte „Ich habe den Klassenraum nicht gefunden, es ist eine neue Stadt für mich, eine neue Umgebung und sie wissen doch, dass Mädchen und Orientierungssinn nicht zusammenpassen...“ - es funktionierte jedes Mal. Jedoch kannte sie den Plan der Schule ganz genau, sie hatte auch den Stundenplan im Kopf. Sie hatte sich alle nötigen Informationen eingeprägt, als sie in der Schule war, um einige Dokumente abzugeben und um sich für das neue Schuljahr einzuschreiben. Sie hatte diese Schule aufgrund des guten Niveaus ausgwählt und war für jeden Test vorbereitet. Es gab keinen Test. Als die Lehrkräfte ihre Noten sahen, mussten sie sich keine Gedanken über den IQ der neuen Schülerin machen. Es gab auch keine negative Bemerkung über sie. Sie war ein perfekter, unproblematischer Fall. Zudem war das Mädchen aus einem anderen Grund interessant, da ein Teil ihrer Daten geschützt war und geheim blieb. Man konnte nur ihre letzte Schule einsehen, ein paar kleinere Details, aber nichts weiter. Die Lehrer stellten ihr einige Fragen, aber es war eher eine Formalität als Notwendigkeit. An diesem Tag gewann Emilia die Möglichkeit, ihre neue Schule kennen zu lernen und sich einzuprägen, wo und wie viele Ausgänge es gab und wie man von hier aus auf dem schnellsten und langsamsten Wege verschwinden konnte. Das war reine Routine. Sie machte ihre Hausaufgaben sehr gut, obwohl es keiner bemerkte. Jetzt – während sie durch die Hauptstadt spazieren ging – gab sie ihrer neuen Klasse keine Chance, sie kennen zu lernen. Noch nicht.



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Boryana
24-07-2010 17:25
Be Lovefool is a very nice idea! I liked the book and I will participa in the summer campain for lovefools Smile

Helena
13-06-2010 18:59
Anna, this is a great project! You are a truely interesting and creative person! Don't stop integrationg Europe!

Peter
07-06-2010 21:51
Ich beneide Scholar Online, da das Team stets so viel erlebt! Ihr seid überall! Weiter so! Verunsichere Europa!

BK
22-05-2010 17:51
Flutwelle in Mittel- und Osteuropa. Mein Mitleid für alle Betroffenen aus Tcheschien, Polen und anderen Ländern!

Jule
15-05-2010 18:27
Polen und Russen setzten den Versöhnungskurs bei der 65. Siegesparade in Moskau fort. Scholar fördert die europäische Freundschaft. Mach weiter so!

Marie
14-04-2010 18:17
10th April Smoleńsk was tragic. But much more tragic is what is happening in Poland right now. RIP was yesterday. Now, it's fight club!

Luise
11-04-2010 23:17
Lech Kaczynski wird uns auch in Deutschland fehlen. Der tödlich verunglückte Präsident war mehr als die eine Hälfte eines Zwillingsduos an Polens Spitze.

Chrissi
11-04-2010 12:27
I'm sending my love, prayers, and DEEPEST sympathies to the people of Poland. May God be with you through this tragic time.

Peter
10-04-2010 20:11
Es wird vermutet, dass das Flugzeug von Kaczynski beim Landeanflug im dichten Nebel Baumkronen gestreift hatte. Mein Beileid an Polen.

Tom
10-04-2010 18:23
Polish president killed in plane crash in Russia..... This is just tragic. My prayers go out to the entire country.

alan
10-04-2010 17:09
ich bin kein Fanatiker der PIS, dennoch der Zusammenhang mit Katyn ist schockierend für mich.

Yaro
10-04-2010 16:47
President Lech Kaczynski wanted to revisit the past. He did it unwillingly. I am sorry for Poland for loss of the President and much of the nation's ruling elite.

Joline
10-04-2010 16:45
Tragedy in Russia: President of Poland and many important politics are dead in plane crush. Poland, we pray with you!

CLX
10-04-2010 13:04
I still can't belive. Polish president Lech Kaczynski and other important people died in crush plane near Smolensk. It's Polish tragedy.

Raik
10-04-2010 12:56
#RIPLechKaczynski My condolences for families of Lech Kaczynski and other victims of the plane crash near Smolensk, Russia. Poland, we pray with you!

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