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Amalia Angellinni - "Ein Narr (in) der Liebe" #4 WORDS AND THOUGHTS |
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:: Home: Amalia ANGELLINNI "Lovefool"
#4 WORDS AND THOUGHTS
Dienstagmorgen war es wie gewöhnlich ein wenig chaotisch. Die elfte Klasse war nicht so laut wie sie sein konnte, aber bei 25 jungen Leuten auf einem Fleck und ihren Gespräche war es alles andere, nur nicht leise. Sie waren alle da, nur nicht das Mädchen. Emilia fehlte. Alle saßen irgendwie irgendwo auf Stühlen und auf Bänken. Um diese Zeit vollzog sich gewöhnlich immer dasselbe Spiel. Frau Polanska, die Polnisch-Lehrerin, kam ins Klassenzimmer und schaute genervt durch ihre dicke Brille zu den Schülern, die auf den Bänken saßen. Nach wenigen Minuten herrschte jedoch perfekte Ordnung.
„Wie könnt ihr euch nur auf diese Art und Weise verhalten? Ihr seid zu laut und zu unverschämt! Soll das die zukünftige Elite des Landes sein?“ Frau Polanska schrie nicht, aber sie war eine Lehrerin mit großer Erfahrung, Autorität und einer sehr ohrenbetäubenden Stimme. Sie wusste, dass diese Klasse nicht so schlimm war, wie jemand hätte denken können, wenn er sie jetzt alle beobachtet hätte. Die Pädagogin vertrat jedoch die ältere Generation und musste zu ihrer Wertehierarchie stehen.
Alle hatten sich hingesetzt und einige sprachen sogar kurze Entschuldigungen aus. Auf einmal war es so ruhig, dass man den Wind draußen hören konnte, der gar nicht so stark war und nur die schwächsten Blätter bewegte. Die Lehrerin schaute nach Notizen im Klassenbuch und die Schüler begannen, ihre Unterrichtsmaterialien auszupacken. Bücher und Hefte knallten auf die Tische.
Es war eine Minute vor acht Uhr (Unterrichtsbeginn) als Emilia in der Tür gestanden hatte. Sie hatte sich schnell noch umgeschaut, obwohl sie schon wusste, wo sie sich hinsetzen würde. Wenn man die Menschen nicht beachtet, ist es nicht schwer, den Ort zu finden, nach dem man sucht. Sie kam herein und setzte sich auf einen Stuhl neben einem Fenster. Keiner würde sie dort auf dem ersten Blick bemerken, wenn er das Klassenzimmer betreten würde. Und das war ihr Ziel. Das war ihr Schutz gegen die schlimmsten Szenarien ihrer Phobien. Als sie saß, schaute sie sich wieder um. Diesmal betrachtete sie die Schüler, die ihren Blick auf ihrem Rücken nicht spürten. Alle waren mit Reden beschäftigt und erst, als die Lehrerin hereingekommen war, hatten sich alle beruhigt und es herrschte Stille. Dann hörte man den lauten Klingelton und alle packten ihre Sachen für den Unterricht aus.
Frau Polanska fing an, die Anwesenheitsliste abzuchecken und wartete nicht lange auf Meldungen. Es reichte schon das kleinste Geräusch und die Lehrerin wusste Bescheid, wer da war. Die Frau bewegte nicht mal ihren Kopf nach oben, um zu überprüfen, ob das stimmte oder nicht. Am Ende, als sie den Namen der neuen Schülerin vorgelesen hatte, wunderte sie sich wegen einem leisen „anwesend“ vom anderen Ende des Zimmers. Nicht nur die Lehrerin war durcheinander. Alle schauten in die Richtung, wo Emilia saß. Keiner hatte ihre Anwesenheit erwartet, keiner hatte sie bisher bemerkt. Als wäre sie unsichtbar. Unglaublich! Emilia war schon oft in einer solchen Lage gewesen und deswegen setzte sie ein kleines, freundliches Lächeln auf und schaute nach vorn. Sie schien ein nettes Mädchen zu sein. Sie hatte große, grüne Augen, lockige, braune und ziemlich lange Haare und sah gut aus. Sie trug keine Markenkleidung, aber sie hatte einen guten Geschmack. Sie bevorzugte einfache, fast kalte Farben wie himmelblau und Oberteile mit einem weißen Kragen. Sie schaute sportlich aus, obwohl sie blaue Jeans und unauffällige Ballerinas trug. Es war ein sonniger Septembertag und es war noch warm genug, um ohne Jacke herumzulaufen. Dennoch hatte Emilia eine Jacke dabei. Sie lag jetzt auf dem Stuhl neben ihr.
Ihr Gesicht hatte sich nicht verändert, obwohl 26 Personen sie auf einmal anstarrten. Es war ein Oh-mein-Gott-Augenblick, aber Emilia reagierte nicht auf diese plötzliche Aufmerksamkeit, wie es normale Leute tun würden. Sie wurde nicht rot, sie bewegte sich nicht, sie holte nicht einmal Luft.
Alle schienen sich zu fragen, wie sie solch ein Wesen übersehen konnten. Sogar Frau Polanska wunderte sich, obwohl sie jeden Laufstil kannte und aufgrund des Laufstils jede Person erkennen konnte. Sie konnte sogar die leisesten Gespräche am Ende des Klassenraums hören (was die Schüler natürlich nervte), und jetzt hatte sie das nicht mitgekriegt. Sie musste zwei Mal tief durchatmen und schaute erstmal wieder ins Klassenbuch. Das Ablesen der Liste war für sie unnötig, da sie von Anfang an wusste, wer anwesend war und wer fehlte, aber diese ganze Erfahrung wurde heute in Frage gestellt. Sie versuchte das neue Mädchen im Auge zu behalten ohne sie anzustarren. Sie stellte einige Fragen über Protagonisten aus der Literatur, die sie im letzten Schuljahr analysiert hatten. Natürlich fragte sie auch die Neue. Das war eine gute Gelegenheit, um die Neue ohne Vorwand betrachten zu können. Jedoch waren diese Fragen kein Problem für die neue Schülerin. Emilia beantwortete alles mit einfachen Sätzen, einfacher Logik und guten Argumenten, als hätte sie die Antworten bereits vorbereitet. Zudem war sie nicht unhöflich. Sie war selbstbewusst und irgendwie stilvoll. Von diesem Tag an versuchte Frau Polanska den Laufstil der Neuen kennen zu lernen, jedoch war diese Aufgabe ziemlich schwierig. Emilia war so leise und so elegant zugleich, dass es kaum möglich war, dieses Rätsel zu knacken.
Während der Pause kamen die ersten Fragen von den neuen Klassenkameraden: Wie und warum war sie hierher gekommen, und sonst alles Mögliche, was man von einer neuen Person erfahren möchte.
„Bitte, nennt mich Mia.“ sagte Emilia und natürlich musste sie erzählen, wie ihr die Stadt, die Schule und dies und das gefiel. Sie antwortete einfach, kurz und man konnte nur wenig über sie erfahren, auch wenn viele Fragen gestellt wurden, die man nicht mit „Ja“ oder „Nein“ beantworten konnte. Alle, die Mia angeschaut hatten, waren sich sicher, dass sie sie bereits seit Jahren kannten, obwohl keiner etwas über sie wusste. Sie machte auch nicht den Eindruck, dass man sie einfach so kennen lernen könnte. Es schien fast unmöglich zu sein. Sie war höflich und sehr gebildet, teilte aber kaum persönliche Sachen mit. Stattdessen stellte sie einige Fragen und die Gespräche wurden in eine andere Richtung gelenkt. Es war schwer, zum Ausgangsthema zurück zu kommen, um die Frage zu beantworten: Wer ist Mia? Nur Viola schaute die Neue mit anderen Augen an. Sie hatte bereits bemerkt, dass Mia sich kaum verändert hatte, es war immer noch möglich, Mia zu erkennen. Es schien, dass es Mia egal war, dass sie von allen beobachtet wurde und dass viele mit ihr reden wollten. Sie hatte gute Manieren, Stil und war von einfachem Wesen. Für Viola war es jetzt sehr schwer, ihre Maske der totalen Blondine aufrecht zu erhalten. Sie hasste das Gefühl, in Mias Nähe zu sein. Das letzte Mal, als sie Mia sah, das war viele Jahre her, waren sie noch Kinder. Und sie wusste etwas über die Neue, das keine andere Person wusste. Daraus hätte sie einen großen Skandal machen können, aber Mias Geheimnis war mit Viola verbunden. Irgendwie respektierte Viola Mia. Sie mochte Mia nicht, aber respektierte sie. Einige Menschen sind gebrochen und man fasst sie nicht an, so dass sie nicht in tausende Teile auseinander fallen. Das war letztendlich der Grund warum Mias Geheimnis sicher war.
:: Kapitel #1
:: Kapitel #2
:: Kapitel #3
:: Kapitel #4
:: Kapitel #5
:: Kapitel #6
:: Kapitel #7
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