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Amalia Angellinni - "Ein Narr (in) der Liebe" #7 WHISPER OF A THRILL |
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:: Home: Amalia ANGELLINNI "Lovefool"
#7 WHISPER OF A THRILL
Sebastian fuhr alleine durch die Straßen und war sauer wegen der vielen Zwischenstopps (diese Ampeln!). Er telefonierte mit seinem besten Freund Julian. Es ging nicht um wichtige Sachen und das Gespräch konnte jeden Augenblick beendet werden, ohne Ausreden, Entschuldigungen oder Sonstiges. Und so geschah es: ein kurzes „Bis später“ war das Zeichen, dass die Diskussion zu Ende war. Sebastian parkte rückwärts ein. Er hatte das fast neueste Modell von Audi und das Beste war: das Auto gehörte ihm. Er arbeitete dafür, verdiente es mit seinem Schweiß und ehrlicher Arbeit. Immer wieder, wenn er seinen tief blauen Audi A2 anschaute, war er sehr stolz darauf. Es war in Polen nicht normal, mit 24 Jahren ein eigenes Auto zu haben. Darüber hinaus hatte man, wenn man schon ein Auto hatte, eher legendäre Modelle von Polonez oder Fiat, die der Rest der Welt nur aus Erzählungen kennt. In letzter Zeit hatten einige junge Menschen vermehrt Gebrauchtwagen von VW oder BMW gekauft, die nicht im besten Zustand nach Polen kamen. Diese wurden in polnischen Autowerkstätten wieder funktionsfähig gemacht. Polen fing an, mobiler zu werden.
Sebastian kannte dieses Teehaus. Er mochte es sogar, bis eines „ihrer“ Mädels anfing, dort zu arbeiten. Sebastian war nicht so offen für eine Beziehung wie sie es war. Meistens saß er eh im “Sunshine”, da es ein Restaurant und ein Discoclub zugleich war und seinem Freund gehörte. Julian redete nie über Geld, wenn er etwas haben wollte. Wenn er irgendwo hinfahren wollte, fuhr er. Wenn er sich ein neues Auto kaufen wollte, kaufte er eins. Er war ein junger Kerl mit einem großen Bankkonto, einem stilvollen Ford Mustang und einem eigenem Club. Viele Mädchen wollten ihn haben, seine Kontakte, sein Geld. So war es. Julian war wie der König Midas, der etwas anfasste und es verwandelte sich in pures Gold. Was für ein Glückspilz! Als Julian mit seinem eigenen Club anfing, baute er sein eigenes Team auf, spielte Musik, die er mochte und hatte schöne Mädchen, die er manchmal zu Rendezvous einlud. Sebastian dachte sogar, dass Julian auch beim “Casablanca” geholfen hatte es aufzubauen, aber sicher war er sich nicht. Julian sagte immer etwas Wichtiges, wenn alle anderen doofe Sachen erzählten und wenn man klug war, konnte man einfach diese Ratschläge annehmen und umsetzen. Julian hatte Sebastian überzeugt, ein eigenes Übersetzungsbüro zu eröffnen und seine Ratschläge hatten geholfen, die ersten Kunden zu gewinnen. Inzwischen hatte das Büro ein gutes Image aufgebaut und eine gute Position auf dem Markt, deswegen konnte sich Sebastian den Luxus leisten, nur den Chef zu spielen und gleichzeitig zu studieren. Darüber hinaus hatte er Zeit ab und zu mit seinen Freunden zu feiern und schaute zu, wie das „Sunshine“ zum angesagtesten Club in der Stadt wurde. Es war lustig, dass es nur aufgrund von Mundpropaganda geschah.
Das ‚Sunshine’ war DER ultimative Ort, an dem sich junge Leute trafen, um sich zu zeigen und zu zeigen wie wichtig sie waren. Keiner erinnerte sich mehr an die Partys, die irgendwo in ihren Wohnungen organisiert wurden und wie viel Spaß das bereitet hatte, obwohl die Räumlichkeiten manchmal kleiner waren als der Tanzboden im ‚Sunshine’. Es war gar nicht so lange her. Doch dann hatten sie sich entscheiden müssen, wo sie studieren und was sie mit ihrem Leben anfangen wollten. Und so zogen sie in die Hauptstadt. Sie waren sich sicher, dass sie keine anderen Städte unsicher machen wollten.
Alles was man in Polen haben wollte, bekam man garantiert in Warschau. Das kulturelle Angebot in Warschau nahm kein Ende. Da ist das Jazz Jamboree Festival oder der Warschauer Herbst. Musik- oder Filmfestivals brachten eine Welle von Künstlern, die die Hauptstadt besuchten und man konnte immer Mädchen damit beeindrucken, wenn man sie zu so einem Event mitnahm. Warschau hat viele Sehenswürdigkeiten für Touristen, welche es einfacher machen die Stadt besser kennen zu lernen und deren Werte vorteilhaft darzustellen. Dort wurde es nie langweilig. Darüber hinaus freuten sich Sebastian und seine Freunde, dass sie nicht nur Schulmädchen trafen, sondern auch Studentinnen. Endlich lebten sie in einer Stadt, die Tag und Nacht pulsierte. Eine höhere Fahrkunst, wie man es in Polen nannte. In diesem Sinne fingen zwei Freunde, die fast wie Brüder waren, hier ihr Leben an. Es konnte nichts schief gehen, da König Midas dabei war. So konnte man jedes Mädchen das man haben wollte kriegen und alles Geplante realisieren.
Diese Gedanken begleiteten Sebastian, als er im “Casablanca” eintraf. Es war ein ruhiger Ort mit Atmosphäre, in der Luft hing der Duft von Rooibos und Vanillearoma. Außerdem konnte man hier tolle Schokoladenkekse essen, natürlich selbstgebacken! Bereits am Telefon hatte er bemerkt, dass das Mädchen eher klug und professionell war. War sie jedoch zuverlässig? Er musste es prüfen. Der letzten Mitarbeiterin, die er eingestellt hatte, hatte er nach einer Woche gekündigt. Das war der Anfang einer qualvollen Suche nach einer neuen Mitarbeiterin. Die meisten Mädchen waren daran interessiert, ihn oder Julian kennen zu lernen. Sie präsentierten eher ihre Brüste als ihre Sprachkenntnisse in Englisch, Deutsch oder einer anderen Sprache – alles inklusive Körpersprache. Es war heutzutage schwer, eine zuverlässige Person zu treffen.
Er kam herein und schaute sich um. Er überlegte, wie er ihre Fähigkeiten testen sollte. Irgendwie war er auf eine weitere Niederlage vorbereitet. Ihrer Stimme hatte er eine gute Arbeitseinstellung entnommen, zwar war Vertrauen gut, aber Kontrolle ist besser. Er schaute sich um und bemerkte sie erst nach einer Weile. Sie hatte sich jedoch nicht versteckt. Sie saß da, mit einem Buch in der Hand, das zurzeit viele Mädchen lasen, irgendetwas über Vampire. Mädchenkram. Er kam näher und sein erster Gedanke war: sie sieht normal aus. Danke, Gott! Er sagte „Hallo“ und setzte sich. Er schüttelte ihr die Hand und schaute sie an. Sie hatte große, tiefgrüne Augen und lächelte freundlich. Sie bewegte sich nicht. Sie hatte viel Energie in ihrem Körper und eine unglaubliche Tiefe in den Augen. Man konnte sich einfach in sie verlieben, obwohl sie nicht die größte Schönheit der Welt war. Er war so beeindruckt, dass er nicht in der Lage war, das Gespräch anzufangen. Sie saßen sich also gegenüber und er fiel in die Tiefe ihrer grünen Augen. Mia begann das Gespräch. Ihre Stimme war sogar noch faszinierender als ihre Augen. Er konzentrierte sich auf den Klang der Stimme und deswegen verstand er nicht, was sie gesagt hatte. Nach zwei tiefen Atemzügen bat er sie höflich, ihre Worte zu wiederholen. Sie war nicht unsicher oder peinlich berührt, sondern wiederholte höflich, „Hallo, mein Name ist Anna. Sage mir bitte, wie diese Arbeit abläuft. Du scheinst ziemlich beschäftigt zu sein und ich möchte nicht zu viel von deiner Zeit stehlen.“
Und da war er wieder, der alte Sebastian, der Chef, der alles erklärte. Sie sagte, sie könne Englisch, Italienisch, Latein und ein wenig Französisch. Zum ersten Mal war er nicht an der Arbeit interessiert. Sie war sehr professionell. Sie benutze kein unnötiges Wort und sie blieb sehr höflich. Er vertraute ihr vom ersten Augenblick so, wie er auch Julian vertraute. Das war neu für ihn. Das Gespräch war eindeutig zu kurz für ihn. Er schaute sie intensiver an, um zu sehen, was in ihr steckte. Vom ersten Moment an mochte er sie. Er prüfte nicht einmal ihre Kenntnisse. Er bestätigte, dass sie auf Probe eingestellt sei und sie einen Vertrag bekommen konnte, wenn sie mochte. Sie stimmte zu. Er meinte, er bräuchte ein wenig Zeit, um den Vertrag vorzubereiten und fragte, ob er ihr die Dokumente per Mail oder per Schneckenpost [traditionelle Post] zusenden solle. Spielte es überhaupt eine Rolle?
Natürlich spielte es eine Rolle. Sie hatte noch nie einem Fremden ihre wahre Adresse gegeben und genauso bekam er, wie alle anderen, nur eine ihrer E-Mail-Adressen. Sie bevorzugte ein persönliches Treffen, um die Arbeit abzuholen.
Super!
Er war glücklich mit dieser Lösung. Er lächelte, vielleicht sogar zu viel. In seinem bisherigen Leben hatte er noch nie so ein Gefühl gehabt wie jetzt. Er war einfach glücklich und meinte die Person getroffen zu haben, auf die er seit seiner Geburt gewartet hatte. War das Liebe auf dem ersten Blick? War es so einfach, davon gefangen zu werden? Wahrscheinlich nicht. Es war vielleicht eine Faszination, Attraktion, ein Begehren. Aber Liebe? Vielleicht eher ein Verlieben? So oder so, er hatte nicht genug Zeit, um seine Gedanken zu sammeln, da er sich bereits verliebt hatte. Darüber hinaus war er nicht in der Lage, Kaffee zu bestellen. Komisch genug, verliebt in sie zu sein, aber er zeigte es nicht, obwohl er sich sicher war, dass sie es doch bemerkt hatte. Es musste so offensichtlich für sie sein.
Sie sah ein freundliches Lächeln in seinen Augen und wusste, dass er ein guter Mensch war. Von Anfang an war sie mit ihm auf eine unausgesprochene Art verbunden. Mia hatte das seltene Gefühl, dass sie ihn wirklich mochte. Sie war an seinen Hobbys, Werten und an seinem Leben interessiert. Sie wusste, das war nicht professionell aber sie dachte sogar daran, dass sie Freunde werden könnten, wenn alles anders wäre. Sie hatte keine Freunde wegen der vielen Umzüge und wegen einiger Erinnerungsstücke in ihrem Kopf.
Mia schwor sich selbst, sich von Menschen fernzuhalten, soweit es möglich war. Nach einigen Jahren war es nicht mehr so schwer. Natürlich kümmerte man sich um die Leute um einen herum, man redete und kommunizierte, aber es war nur oberflächlich. Man erlaubte niemandem, einen kennen zu lernen und drang nicht in das Leben der Anderen. Es war eine einfache Lösung, auch wenn das manchmal schmerzhaft war. Mia war kein Mensch, der viel redete und brauchte keine Kontakte mit anderen. Zumindest sah so bisher das Rezept für ihr Leben aus. Das dunkle Kapitel ihrer Kindheit bereitete ihr Schmerzen und obwohl sie nicht viele Erinnerungen daran hatte, denn sie war damals erst drei Jahre alt gewesen, hatte sie das Gefühl, dass die Art und Weise, wie sie lebte, die richtige war. Mia war überzeugt, dass es ihr Schicksal war, unter Menschen zu sein und trotzdem allein zu bleiben.
Dann kam eine Kellnerin und fragte, was er sich zum Trinken wünschte. Das Mädchen mit Fingernägeln wie von einer Barbie-Puppe lächelte Sebastian breit an und fragte, ob er denselben Kaffee wie immer wünsche, extra schwarz.
Es war kein Wunder, dass Sebastian bei den Mädels beliebt war. Er sah aus wie ein junger Brad Pitt aber er war natürlich jünger und noch blonder. Seine Haare waren perfekt geschnitten, durchgestuft bis zu seinen Ohren. Sein Gesicht war freundlich und seine Augen leuchteten freundlich mit kleinen, grauen Funken. Er war groß, auch wenn er nicht in ein NBA-Team aufgenommen werden würde, aber für einen Platz in einem Basketballteam einer High School wäre er groß genug. Obwohl sein Stil leger war, konnte Mia sehen, dass er sportlich war und Wert auf Gemütlichkeit legte. Er trug Sportschuhe und Jeans. Sein Jackett war jugendlich, zeigte aber zugleich eine Business-Ausstrahlung.
Er schaute nach oben und sah ein bekanntes Gesicht. Es war eines der Mädchen aus Julians Club. Sie arbeitete dort nicht mehr. Ihre Karriere im “Sunshine” dauerte zwei Nächte. Dann entschied sich Julian dafür, sie nicht in seinem Team dabei haben zu wollen. Julian hatte ein gutes Gespür für Menschen. Er konnte eine Person immer perfekt einschätzen, sein erster Eindruck war nie falsch. Vielleicht war das sein Schlüssel zum Erfolg? Sebastian war neugierig, was Julian über Anna sagen würde. Sie hatte ein einfaches Oberteil in einer unauffälligen blauen Farbe an. Und blaue Jeans. Und etwas an sich, was ihm nicht erlaubte damit aufzuhören, sie anzustarren.
Sebastian lächelte der Kellnerin zurück und schaute sogar noch länger auf Mia.
„Was möchtest du?“ fragte er sie.
„Danke, ich hatte schon meinen Tee.“ antwortete Mia.
„Was machst du hier, Sebastian?“ fragte die Kellnerin.
„Business-Angelegenheiten.“
„Oh, ich verstehe. Und wie läuft es? Warum bist du nicht im ‚Sunshine’?“ setzte sie fort, anscheinend wollte sie nicht so schnell gehen. Ihre rosa Fingernägel schlugen ungeduldig auf die Tischoberfläche.
Absichtlich hatte sie Mia nicht wahrgenommen und stellte weitere Fragen. Aber Sebastian stoppte ihre Fragenflut und kehrte zur Realität zurück, zu Sachen, die für ihn wichtig waren. Mit derselben Kraft eines Wasserfalls würde er Anna ausfragen.
Während die Kellnerin versuchte, so viele Informationen wie möglich zu ergattern, um sich einen Vorteil zu verschaffen, wollte er diesen Augenblick mit Mia für die Ewigkeit festhalten. Er hatte schon von einem Liebesblitz gehört, der so plötzlich wie ein Gewitter im Sommer auftreten konnte.
Aus seinen Gedanken aufschreckend, beantwortete er kurz die Fragen der Kellnerin und setzte dann seine Unterhaltung mit Anna fort. Als er seinen absolut schwarzen Kaffee bekam, war alles schon besprochen. Anna war aufgestanden und wollte gehen. Glücklicherweise hatte er ihre Handynummer und konnte sie jederzeit anrufen. Sie sollte ihm ein Zeichen geben, wenn sie mit der Arbeit, die er ihr gegeben hatte, fertig war. Super!
Dann lächelte sie, kurz und höflich, sagte „Auf Wiedersehen“ und war weg. Ein gelber Becher mit Teeresten und eine weiße Teekanne waren die einzigen Beweise, dass sie da gewesen war.
Sebastian saß weiterhin da und genoss das Gefühl der Zufriedenheit. Sie würde nicht für lange entschwunden sein denn sie würden sich bald wieder sehen. Das war eine wunderbare Perspektive.
Und so war es auch. Sie rief ihn zwei Tage später an und sie trafen sich wieder. In diesen zwei Tagen war er nicht so unkonzentriert, wie er es erwartet hätte. Noch immer begleitete ihn das Gefühl der Zufriedenheit. Wenn das Verlieben so abläuft, dann könnte er jahrelang verliebt sein. Das Verlieben war wie das Warten auf eine große, tolle Überraschung. Die Welt wurde zu einem besseren Ort und man konnte wirklich zugeben, eine rosarote Brille zu tragen. Der genervte Verkäufer im Laden um die Ecke war nicht mehr so nervig, das Mädchen, das die Straße entlang lief, lächelte noch breiter und er fühlte solches Glück in sich, vom dem Augenblick an, wenn er aufwachte bis zu dem Moment, in dem er einschlief. Ja, das Verlieben war durchaus ein Gefühl, das man sich gern wünscht.
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:: Kapitel #7
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