Stell Dir vor, dass die Welt eine Straße ist. Auf dieser Straße sind ein paar Mehrfamilienhäuser gebaut. Jedes Haus ist ein Kontinent. Europa ist also eins der sieben Häuser. Nicht zu groß, nicht zu klein. Groß genug um so viele Wohnungen zu haben, wie es Staaten in Europa gibt. Und jeder Staat ist eine Familie.
Wir zogen schon vor langer, langer Zeit ein. Natürlich gab es von Anfang an einige Streitigkeiten zwischen den Nachbarn. Es wurden Wohnungen überflutet (z. B. die schwedische Flut), manchmal wurden einige aus ihren Wohnungen raus geworfen (z. B. beide Weltkriege). Insgesamt ist die Bilanz jedoch positiv. Manchmal besuchten wir uns gegenseitig zum Tratschen und zum Tee trinken (meistens waren es die Könige und Prinzen vom Mittelalter bis zur Aufklärung) und wir versuchten mit einer zwischennachbarliche Strategie für Ruhe und Ordnung zu sorgen. Wir haben uns manchmal gegenseitig Geld geliehen oder teilten miteinander unsere Entdeckungen (Bsp. Verlauf der industriellen Revolution). Seit einigen Jahren versuchen wir uns wirklich gut zu verstehen – wir pflanzen sogar gemeinsam Blumen auf unseren Balkons im Geist der Ökologie. Inzwischen brauchen wir uns gar nicht mehr persönlich zu besuchen, da wir anrufen können (da gibt’s wirklich günstige Pakete!) oder eine E-Mail senden.
Einige von uns haben sogar eine Union geschlossen. Ab und zu übernimmt einer der Nachbarn die Führung und versucht die anderen auf den Nachbartreffen zu motivieren und sagt, was gemacht werden soll.
Und jetzt die Aufgabe für Dich:
Stell Dir vor, Du willst einen Nachbarn als Gast einladen. Natürlich sollte man sich von der besten Seite präsentieren, nach dem Motto „Gast im Haus – Gott im Haus“ (poln. Sprichwort) und diese Zeit soll auch schön sein. Aber so einfach ist das nicht. Was würdest Du dem Gast anbieten? Einige geschichtliche Erzählungen? Etwas Spezielles aus Deiner Küche? Welche Zimmer würdest Du zeigen und warum? Was würdest Du unter den Teppich kehren oder im Keller verstecken? Würden alle Deine Mitbewohner, Deine ganze Familie dabei sein?
Und wenn Du eingeladen wärst? Wie stellst Du Dir das vor? Was erwartest Du von Deinen Nachbarn? Worauf achtest Du? Auf die familiäre Situation? Auf die Selbstverwirklichung der Nachbarin? Oder schaust Du doch die Mitbringsel von den weiten Reisen an? Welche Ratschläge würdest Du Deinen Nachbarn geben?
Cogito ergo sum (Ich denke, also bin ich). Teile Deine Meinung mit uns! Füge Deinen Standpunkt ein!
PL:
#1 | Chris dnia 02.03.2009 03:00
Ich würde die Deutschen als Gast haben wollen. Ich habe über sie schon viel gehört und ich kenne sie nicht. Das einzige, was ich weiß: sie mögen Bier und Polish Jokes, und denken, dass die Polen nur klauen. Vielleicht wenn wir uns hingesetzt hätten, mit dem einen oder den anderen aus Deutschland, wenn wir miteinander geredet hätten, dann würde ich meine Meinung ändern?
PL:
#2 | Maciej K. - 02.03.2009 23:21
Das ist ein interessanter Vergleich. Ein wenig für die Kinder, aber zum Anfassen und gut zum Vorstellen. Ich habe der Flut wegen gelacht. Die Schweden haben zwar nicht ganz Europa überflutet, bestimmt weiß auch nicht jeder etwas darüber, aber der Vergleich war wirklich bezaubernd!
PL:
#3 | Alina - 02.03.2009 23:32
Die Exmissionen gab es wirklich, z.B. die Teilungen Polens, Anschluss von Österreich oder die Situation auf dem Balkan. In solchen kurzen Sätzen habt ihr fast das ganze Bild von Europa durch die Jahrhunderte gemalt. Bravo!
Die schwedische Flut war jedoch die lustigste Stelle des Beitrages. Hier stimme ich dem Maciej zu.
Für das Frühstück würde ich einen Deutschen einladen, fürs Mittag einen Italiener und für das Abendessen unsere Nachbarn von der anderen Seite der Weichsel.
PL:
#4 | Partyk - 03.03.2009 00:05
Und ich hätte den ganzen Zoologischen Garten aus Polen einladen. Er ist so bunt, dass ich keinen anderen kennenlernen muss. Und der Abend wäre interessant, sehr interessant.
PL:
#5 | Anna Brakoniecka - 03.03.2009 00:31
Beschließen wir, dass wir keine Hausversammlung in der Küche organisieren und dass wir keine Party auf der anderen Seite der Straße machen. Das schränkt einige Aussagen zum Thema ein:„was für einen Gastgeber würde ich gerne sein“ und „bei wem würde ich gern eingeladen werden?“
Alina, sag mal, ist Deine Auswahl begründet? Wieso hast Du gerade diese Ausländer ausgewählt und ist die Reihenfolge wichtig?
ENG:
#1 | Rosie 02-03-2009 23:15:46
Das ist ein niedlicher Vergleich!
Für einen Studienaufenthalt im Ausland habe ich England gewählt und bin nach London gefahren. Ich war auch ein halbes Jahr in Italien. Ich habe eine ganze Menge daraus gelernt: Offenheit und Toleranz. Es gibt überall gute und schlechte Leute. Was ich gerne noch kennenlernen möchte ist Spanien. In die östliche Richtung gehe ich eher ungern, da ich kaum die Sprachen beherrsche und das ist schon eine Barriere für mich.
Ich habe mir im letzten Jahr die Veranstaltung "Europabilder: Innen- und Außenansichten" in Essen angeschaut. Da gabs verschiedene Themen, die eben Europabilder darstellen sollten bzw. einen Auschnitt der Wahrnehmug Europas zeigen sollten. Ich habe heute geprüft und die dazugehörige Adresse noch im Internet gefunden:
PL:
#7 | Alina - 03.03.2009 20:25
„Wir machen keine Party auf der anderen Straßenseite” – darüber musste ich lachen! Du hast echt ein leichtes Händchen zu schreiben, Ania!
Die Reihenfolge spielt natürlich eine Rolle. Zuerst die Pflicht, also die Deutschen. Und wenn Du für mich übersetzen würdest, dann würde ich gerne einige Fragen stellen.
Dann das Vergnügen, also leckeres Risotto oder eine echte italienische Pizza.
Und am Ende eine Party in dem Bekanntenkreis. Ein Teil meiner Familie kommt aus dem Osten. Meine Oma (bereits gestorben) kam aus Vilnus [Litauen]. Ich kenne diese Leute, ihr Temperament und ich habe keine Lust abends noch zu lernen. Nach der Arbeit will ich mich hinsetzen und mich erholen.
PL:
#8 | Justa dnia 03.03.2009 20:32
Die Engländer kenne ich nur ein wenig, da ich bei denen wohne. In Italien war ich mit einer Klassenreise. Dann war ich mit meiner Mutti auf einer Pilgerfahrt und wir haben unseren Papst Johannes Paul II gesehen. Ich kenne keine Fremdsprachen (außer Englisch). Es ist schwer, mit den Deutschen zu sprechen (sich zu verständigen). Sie streiten sich über Sachen, die ich eh nicht kenne. Ist es schlimm, wenn einige aus dem Osten oder Westen kommen? Sie haben sich doch vereinigt, oder?
PL:
#9 | Martyna_86 dnia 03.03.2009 23:27
Die Union ist international, bunt und multikulturell. Und ich möchte alle ihre Vertreter kennenlernen.
PL:
#10 | Paszczak dnia 04.03.2009 01:44
Martyna, fahren wir zusammen? Ich möchte sie alle auch kennenlernen!
PL:
#12 | Ewelina dnia 04.03.2009 16:06
Ich habe ein paar Deutsche getroffen und kennengelernt und ich denke, sie sind allgemein offener und toleranter als Polen. Dort ist wird Originalität unterstützt. Bei uns ist jede Art anders zu sein vom Prinzip her schlecht. Ohne zu analysieren, ob sie gut oder schlecht für uns ist.
PL:
#13 | Bardddek dnia 04.03.2009 16:26
Ewelina – weiter so! Ich meine, dass die Holländer am offensten sind. Trotzdem möchte ich keinen festen Aufenthalt in Holland. Das ist schon ein Unterschied, dort für eine Weile zu arbeiten und dort wirklich zu wohnen. Und Berlin hatte eine Party unter dem Engel – genannt Love Parade - gehabt. Und in unserem Dörfchen kann man nicht einmal nicht in die Kirche gehen, da sich die Nachbarn dann schon aufregen. Zum Glück erlebt die Kirche solche Vorfälle wie mit den komischen Priestern, die Aussagen zum Holocaust getroffen haben. Interessant, ob sie am eigenen Leib erfahren möchten, wie so ein Lagerleben aussah. Ich denke, dass sie dort freiwillig nicht hingehen würden. Und dass sie danach ihre Meinung schnell geändert hätten, hahahaha. Das, was die Deutschen hier geschrieben haben, überzeugt mich, dass sie gar nicht so schlimm sind wie ich dachte. Manchmal schreiben sie was sehr kluges.
Coole Seite!
PL:
#14 | Jolka dnia 04.03.2009 16:59
Ich fahre mit Euch mit!
Be Lovefool is a very nice idea! I liked the book and I will participa in the summer campain for lovefools
Helena
13-06-2010 18:59
Anna, this is a great project! You are a truely interesting and creative person! Don't stop integrationg Europe!
Peter
07-06-2010 21:51
Ich beneide Scholar Online, da das Team stets so viel erlebt! Ihr seid überall! Weiter so! Verunsichere Europa!
BK
22-05-2010 17:51
Flutwelle in Mittel- und Osteuropa. Mein Mitleid für alle Betroffenen aus Tcheschien, Polen und anderen Ländern!
Jule
15-05-2010 18:27
Polen und Russen setzten den Versöhnungskurs bei der 65. Siegesparade in Moskau fort. Scholar fördert die europäische Freundschaft. Mach weiter so!
Marie
14-04-2010 18:17
10th April Smoleńsk was tragic. But much more tragic is what is happening in Poland right now. RIP was yesterday. Now, it's fight club!
Luise
11-04-2010 23:17
Lech Kaczynski wird uns auch in Deutschland fehlen. Der tödlich verunglückte Präsident war mehr als die eine Hälfte eines Zwillingsduos an Polens Spitze.
Chrissi
11-04-2010 12:27
I'm sending my love, prayers, and DEEPEST sympathies to the people of Poland. May God be with you through this tragic time.
Peter
10-04-2010 20:11
Es wird vermutet, dass das Flugzeug von Kaczynski beim Landeanflug im dichten Nebel Baumkronen gestreift hatte. Mein Beileid an Polen.
Tom
10-04-2010 18:23
Polish president killed in plane crash in Russia..... This is just tragic. My prayers go out to the entire country.
alan
10-04-2010 17:09
ich bin kein Fanatiker der PIS, dennoch der Zusammenhang mit Katyn ist schockierend für mich.
Yaro
10-04-2010 16:47
President Lech Kaczynski wanted to revisit the past. He did it unwillingly. I am sorry for Poland for loss of the President and much of the nation's ruling elite.
Joline
10-04-2010 16:45
Tragedy in Russia: President of Poland and many important politics are dead in plane crush. Poland, we pray with you!
CLX
10-04-2010 13:04
I still can't belive. Polish president Lech Kaczynski and other important people died in crush plane near Smolensk. It's Polish tragedy.
Raik
10-04-2010 12:56
#RIPLechKaczynski My condolences for families of Lech Kaczynski and other victims of the plane crash near Smolensk, Russia. Poland, we pray with you!
#1 | Chris dnia 02.03.2009 03:00
Ich würde die Deutschen als Gast haben wollen. Ich habe über sie schon viel gehört und ich kenne sie nicht. Das einzige, was ich weiß: sie mögen Bier und Polish Jokes, und denken, dass die Polen nur klauen. Vielleicht wenn wir uns hingesetzt hätten, mit dem einen oder den anderen aus Deutschland, wenn wir miteinander geredet hätten, dann würde ich meine Meinung ändern?