Stell Dir vor, dass die Welt eine Straße ist. Auf dieser Straße sind ein paar Mehrfamilienhäuser gebaut. Jedes Haus ist ein Kontinent. Europa ist also eins der sieben Häuser. Nicht zu groß, nicht zu klein. Groß genug um so viele Wohnungen zu haben, wie es Staaten in Europa gibt. Und jeder Staat ist eine Familie.
Wir zogen schon vor langer, langer Zeit ein. Natürlich gab es von Anfang an einige Streitigkeiten zwischen den Nachbarn. Es wurden Wohnungen überflutet (z. B. die schwedische Flut), manchmal wurden einige aus ihren Wohnungen raus geworfen (z. B. beide Weltkriege). Insgesamt ist die Bilanz jedoch positiv. Manchmal besuchten wir uns gegenseitig zum Tratschen und zum Tee trinken (meistens waren es die Könige und Prinzen vom Mittelalter bis zur Aufklärung) und wir versuchten mit einer zwischennachbarliche Strategie für Ruhe und Ordnung zu sorgen. Wir haben uns manchmal gegenseitig Geld geliehen oder teilten miteinander unsere Entdeckungen (Bsp. Verlauf der industriellen Revolution). Seit einigen Jahren versuchen wir uns wirklich gut zu verstehen – wir pflanzen sogar gemeinsam Blumen auf unseren Balkons im Geist der Ökologie. Inzwischen brauchen wir uns gar nicht mehr persönlich zu besuchen, da wir anrufen können (da gibt’s wirklich günstige Pakete!) oder eine E-Mail senden.
Einige von uns haben sogar eine Union geschlossen. Ab und zu übernimmt einer der Nachbarn die Führung und versucht die anderen auf den Nachbartreffen zu motivieren und sagt, was gemacht werden soll.
Und jetzt die Aufgabe für Dich:
Stell Dir vor, Du willst einen Nachbarn als Gast einladen. Natürlich sollte man sich von der besten Seite präsentieren, nach dem Motto „Gast im Haus – Gott im Haus“ (poln. Sprichwort) und diese Zeit soll auch schön sein. Aber so einfach ist das nicht. Was würdest Du dem Gast anbieten? Einige geschichtliche Erzählungen? Etwas Spezielles aus Deiner Küche? Welche Zimmer würdest Du zeigen und warum? Was würdest Du unter den Teppich kehren oder im Keller verstecken? Würden alle Deine Mitbewohner, Deine ganze Familie dabei sein?
Und wenn Du eingeladen wärst? Wie stellst Du Dir das vor? Was erwartest Du von Deinen Nachbarn? Worauf achtest Du? Auf die familiäre Situation? Auf die Selbstverwirklichung der Nachbarin? Oder schaust Du doch die Mitbringsel von den weiten Reisen an? Welche Ratschläge würdest Du Deinen Nachbarn geben?
Cogito ergo sum (Ich denke, also bin ich). Teile Deine Meinung mit uns! Füge Deinen Standpunkt ein!
Berliner Mauer fil vor 20 Jahren, die Sowjetunion vor 18 Jahren, Titanen aus der Wall Street vor einem Jahr. Alle haben versagt. Was für ein glücklicher Tag!
Ihr habt Reagan angesprochen: “Tear Down This Wall” (lassen Sie die Mauer fallen). OK. Ihr habt Gorbatschow angesprochen. Und wo ist Ungarn bei den Feierlichkeiten der Berliner Mauer? Wo ist Polen? Wo sind die anderen Nationen, die eine entscheidende Rolle für die Transformation des Systems im Jahr 1989 gespielt haben? Und jetzt feiert nur Deutschland. Wir sollen auch alle an die Mauer denken, die es noch in der Welt gibt. Es gibt andere Mauer als Berliner Mauer, die umfallen sollen: Mauer der Apartheid in Palästina – als Beispiel.
Prof. Władysław Bartoszewski erinnert sich auf dem Weg zu Feierlichkeiten in Berlin, dass der Fall der Mauer in Berlin war für ihn eine Überraschung. Er sagte den Journalisten, dass er nicht geglaubt hat, dass er das erleben wird.
20. Jahrestag des Mauerfalls. 1989 – erinnert ihr euch, wo ihr wart, als ihr die Neuigkeiten gehört habt? Ich erinnere mich an dem Tag, an dem die Berliner Mauer endlich zusammenbrach. Werden wir je wieder Menschen so glücklich wie damals sehen?
Gazeta Wyborcza [Tageszeitung, sehr bekannt in Polen – AB] schreibt: Kanzlerin Merkel bedankte sich bei Polen, Solidarnosc und Lech Wałęsa für den Beitrag zum Fall des Kommunismus vor 20 Jahren. Sie sagte auch, dass die Aktivitäten von "Solidarnosc" den Mut für die Oppositionsbewegung aus ehemaligen DDR gab.
Das ist ein tolle Geste von der Seite der Kanzlerin Merkel! Zusätzlich wurde sie durch Wałęsa, Michaił Gorbatschow und ehemaligen DDR-Oppositionellen begleitet. Super! Merkel hat Polen anerkannt!
ENG
#355 | IzaBella am 09-11-2009 20:12
Claire, vor 20 Jahre habe ich Leute auf der Berliner Mauer stehen gesehen. Sie feierten Demokratie! Jetzt begreife ich erst, dass ich mich daran erinnere, wann und wie die Berliner Mauer niederging als wäre es ein großartiger Schritt der Menschheit. Aber ich arbeite mit Menschen, die sich nicht daran erinnern. Darüber bin ich etwas überrascht!
Als ein gewisses Produkt eines europäischen Programms fühlte ich mich schon immer als ein e Europäerin.
Als ich die Feierlichkeiten zum 20. Jahrestag anschaute, freute ich mich (als Polin) wegen vielen polnischen und (als Europäerin) europäischen Akzenten. Ich bewunderte die Vorstellung Deutschlands für die ganze Welt. Ich lebe in diesem Land die Hälfte meines Lebens und manchmal fühle ich mich irgendwie „deutsch“, da ich mit Deutschland durch viele Erfahrungen, Menschen, Orte verbunden bin.
Und ich habe mich geschämt. Berlin leuchtete, Berlin strahlte, bebte mit dem Geist der Freiheit. Gleich dachte ich an den polnischen, heimischen 4. Juni 1989 und seine Jubiläumsfeierlichkeiten in diesem Jahr. Verglichen mit Feierlichkeiten in Berlin waren die polnischen Zeremonien eher ein abgelöschtes Lagerfeuer, nicht mal Glühen. Aber historisch gesehen war der 4. Juni 1989 nicht weniger wichtig als der Fall der Mauer. Und Polen können doch feiern und Spaß haben, was man z. B. während der Majowkas (Feierlichkeiten zum 1. und 3. Mai) sieht.
Meine Schlussfolgerung: Polen können und wollen nicht, sich zu präsentieren, sich um sich zu kümmern. Wir holen die Kastanien aus dem Feuer, dann fallen wir in den Sumpf der Streitigkeiten, des Lärms, Privatangelegenheiten.
Aufgrund des 4. Junis hat die Redaktion von Scholar Online vorgeschlagen, dies europaweit zu feiern. Wir wandten uns an Fernseh- und Radiostationen in Polen (u.a. TVN, Superstacja, RMF FM, Radio Zet, Polskie Radio) und Zeitungen und Zeitschriften(u.a. Polityka, Newsweek Polska, Rzeczpospolita, Gazeta Wyborcza, Super Express, Fakt) und es gab keine Reaktion. Keine. Nicht mal eine. Wir haben uns an alle aktiven polnischen Politiker gewandt. Jeder polnischer Abgeordneter hat von uns eine Mail mit Informationen bekommen. Und welche Reaktionen gab es? Kaum welche. Der Bundespräsident Köhler hat uns früher als der polnische Präsident Kaczynski die Ehrenworte für Polen zu diesem Anlass geschrieben. Nur diese zwei Politiker haben uns geantwortet.
Wir wandten uns mit der Bitte um die nicht materielle Unterstützung, die nichts kostet. Es ging um die Unterstützung der Idee. Vor 20 Jahren konnten wir uns vereinigen. Dieselben Menschen haben 20 Jahre später keinen Willen, Polen zu promoten. In den Zeiten von Affären schreiben uns Leute außerhalb Polens und Fragen über diese Affären und polnische Politiker stellen, und ich schäme mich manche zu beantworten. (Da ich mich für u.a. Chlebowski, Drzewiecki und sogar Agent Tomek schäme). Anstelle die positiven Beispiele in der Galerie der Europäer zu zeigen, zu der wir alle polnischen Europa und Landesabgeordneten, den polnischen Premierminister und den Präsidenten des Europaparlaments Prof. Jerzy Buzek eingeladen haben, und die polnische politische Bühne präsentiert sich entweder gar nicht oder im negativen Licht. Die Ausnahmen sind Prof. Władysław Bartoszewski und Wojciech Olejniczak. Wo ist der Rest? Es ging doch nur um eine Präsentation eigener Vision Europas und Polens. Eine Arbeite darüber schreiben Schüler der 6.-9. Klasse schaffen innerhalb eines Nachmittags. Wir wissen Bescheid, da sie uns ihre Arbeiten manchmal zusenden. Schüler betonen auch, dass sie dank unseres Projektes ihre Nachbarn besser kennenlernen.
Wenn jedoch die polnische politische Bühne und polnische Media kein Interesse an positiven Projekten, Ideen, motivierten Menschen haben, an Menschen, die sich für eine bessere Verständigung zwischen Europäer und bessere Vorstellung von Polen und polnischen Bürgern einsetzt, dann wundert mich nicht, dass der Westen uns weiterhin durch falsche Stereotypen anschaut. Oder sind diese Stereotypen gar nicht falsch? Vielleicht bin ich wirklich nur eine der Ausnahmen, die die Regel bestätigen?
In diesem Jahr konnten wir sehr oft uns von der besten Seite zeigen und mehr leuchten als Berlin heute. Die Dominosteine, die heute in Berlin u.a. durch Lech Wałęsa und Jerzy Buzek in Bewegung gesetzt worden sind, waren eine schöne Geste Deutschlands an Polen. Aber im Zentrum stand die Mauer. Die Berliner Mauer. Berliner Mauer, also deutsche Mauer. Die Wiedervereinigung Europas erfolgte also weder am 4. Juni 1989 in den Wahllokalen, noch im August 1989 mit der Menschenkette in den baltischen Staaten, nicht in Ungarn, aber in Deutschland. Die Mauer ist medienfreundlich und die Deutschen haben dies maximal genutzt. Ich bewundere sie dafür. Schöner konnte es nicht werden – nach 20 Jahren. Trotz des Wetters (es regnete) war die Stimmung perfekt. Und Polen hatte Juni, tolle Sonne und weitere verpasste Möglichkeiten gehabt. Als Ausnahme sehe ich die Feierlichkeiten zum Jubiläum des Kriegsausbruches im September, obwohl auch hier waren die Unstimmigkeiten zwischen polnischen Präsidenten und dem polnischen Regierungschef gab.
In diesem Augenblick schäme ich mich als Polin. Ich schäme mich, dass ich in meinem täglichen Kampf um Polen, das Bild Polens und wie wir (und somit ich selbst) im Westen gesehen werden, und ich fühle mich wie Don Kichot. Und die Windmühlen sind diesmal polnisch. Polen als Christus der Völker. Polen als die größten Büßeträger. Der polnische Präsident will die kommenden Jubiläen des Ausbruches des Warschauer Aufstandes und nicht die Jubiläumstage des 4. Junis 1989.
PS. Warum beschweren sich am Ende Polen bei allen, nur nicht an sich selbst? Sie wollen Anerkennung, kriegen diese nicht. Die Vorwürfe können wir an uns wenden, an Politiker, die wir gewählt haben, an die Medien, die wir verfolgen. Wir selsbt bestimmen die Wirklichkeit.
Be Lovefool is a very nice idea! I liked the book and I will participa in the summer campain for lovefools
Helena
13-06-2010 18:59
Anna, this is a great project! You are a truely interesting and creative person! Don't stop integrationg Europe!
Peter
07-06-2010 21:51
Ich beneide Scholar Online, da das Team stets so viel erlebt! Ihr seid überall! Weiter so! Verunsichere Europa!
BK
22-05-2010 17:51
Flutwelle in Mittel- und Osteuropa. Mein Mitleid für alle Betroffenen aus Tcheschien, Polen und anderen Ländern!
Jule
15-05-2010 18:27
Polen und Russen setzten den Versöhnungskurs bei der 65. Siegesparade in Moskau fort. Scholar fördert die europäische Freundschaft. Mach weiter so!
Marie
14-04-2010 18:17
10th April Smoleńsk was tragic. But much more tragic is what is happening in Poland right now. RIP was yesterday. Now, it's fight club!
Luise
11-04-2010 23:17
Lech Kaczynski wird uns auch in Deutschland fehlen. Der tödlich verunglückte Präsident war mehr als die eine Hälfte eines Zwillingsduos an Polens Spitze.
Chrissi
11-04-2010 12:27
I'm sending my love, prayers, and DEEPEST sympathies to the people of Poland. May God be with you through this tragic time.
Peter
10-04-2010 20:11
Es wird vermutet, dass das Flugzeug von Kaczynski beim Landeanflug im dichten Nebel Baumkronen gestreift hatte. Mein Beileid an Polen.
Tom
10-04-2010 18:23
Polish president killed in plane crash in Russia..... This is just tragic. My prayers go out to the entire country.
alan
10-04-2010 17:09
ich bin kein Fanatiker der PIS, dennoch der Zusammenhang mit Katyn ist schockierend für mich.
Yaro
10-04-2010 16:47
President Lech Kaczynski wanted to revisit the past. He did it unwillingly. I am sorry for Poland for loss of the President and much of the nation's ruling elite.
Joline
10-04-2010 16:45
Tragedy in Russia: President of Poland and many important politics are dead in plane crush. Poland, we pray with you!
CLX
10-04-2010 13:04
I still can't belive. Polish president Lech Kaczynski and other important people died in crush plane near Smolensk. It's Polish tragedy.
Raik
10-04-2010 12:56
#RIPLechKaczynski My condolences for families of Lech Kaczynski and other victims of the plane crash near Smolensk, Russia. Poland, we pray with you!
#348 | Alice am 09-11-2009 17:16
Berliner Mauer fil vor 20 Jahren, die Sowjetunion vor 18 Jahren, Titanen aus der Wall Street vor einem Jahr. Alle haben versagt. Was für ein glücklicher Tag!